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Werte und Ziele

Perlen deutschsprachiger Dichtung

Neu entdeckt habe ich Friedrich Rückert, der viele poetische Texte anderer Kulturen übersetzte
und daher selbst eine besondere Poesie entwickelte.

Die Liebe sprach: In der Geliebten Blicke
Mußt du den Himmel suchen, nicht die Erde,
Daß sich die bess're Kraft daran erquicke,
Und dir das Sternbild nicht zum Irrlicht werde.

Die Liebe sprach: In der Geliebten Auge
Mußt du das Licht dir suchen, nicht das Feuer,
Daß dir's zur Lamp' in dunkler Klause tauge,
Nicht dir verzehre deines Lebens Scheuer.

Die Liebe sprach: In der Geliebten Wonne
Mußt du die Flügel suchen, nicht die Fesseln,
Daß sie dich aufwärts tragen zu der Sonne,
Nicht niederziehn zu Rosen und zu Nesseln.
Friedrich Rückert (1788 - 1866)

Seufzend sprach ich zu der Liebe,
Als ich sie entschleiert sah:
Ach, daß so Dein Antlitz bliebe
meinen Blicken ewig nah!

Doch wie dich die Sehnsucht freier
Schauet einen Augenblick,
Senket wieder sich der Schleier
Und verdüstert mein Geschick.

Liebe sprach: in ewig reinem
Lichte strahl' ich, o du Tor;
Nicht vor meinem, sondern deinem
Angesichte hängt der Flor.
Friedrich Rückert (1788 - 1866)

Du bist ein Schatten am Tage

Du bist ein Schatten am Tage
Und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

Wo ich mein Zelt aufschlage,
Da wohnst du bei mir dicht;
Du bist mein Schatten am Tage
Und in der Nacht mein Licht.

Wo ich auch nach dir frage,
Find' ich von dir Bericht,
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

Du bist ein Schatten am Tage,
Doch in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.
Friedrich Rückert (1788 - 1866)