Thema: Weltarbeitsstandards und “Das Ende der Armut” von Jeffrey D. Sachs
HB? — 26 November 2007, 20:30
Hallo!
Ich wollte hier nur eine kleine Diskussion anregen über Weltarbeitsstandards, da ich in dem Buch: “Das Ende der Armut” von Jeffrey D. Sachs gelesen habe dass es durchaus für Länder der 3. Welt zukunftsweisend sein kann, Güter unter schlechten Arbeitsbedingungen zu produzieren. Seiner Meinung nach ist es eine Art Entwicklungsstufe, die die Industrienationen während der Industriellen Revolution auch durchgemacht haben. Hier eine kleine Zusammenfassung des Buchs:
www.randomhouse.de/dynamicspecials/sachs_armut/
Das Buch ist gut geschrieben und für jeden zu empfehlen, der sich für die Thematik interessiert.
MFG HB
HH — 26 November 2007, 23:22
Hallo HB,
Ich teile den Optimismus von Herrn Sachs schon, dass Armut und auch Hunger besiegt werden kann. Ich glaube aber nicht, dass es ohne Arbeitsstandards geht. Die Sklaverei hat sich auch nicht selbst abgeschafft und lange gehalten, in neuen Mänteln bis heute.
Bringt uns so produzierte Ware wirklich etwas? Ich sehe soviel Kleidung, die gleich wieder kaputt geht. Ich kann teilweise akzeptieren, dass die Löhne unterschiedlich sind, aber die Arbeitszeiten und die gesundheitlichen Bedingungen müssen passen und es muss für Essen, Wohnen, Kleidung, und Bildung reichen. Ist es nicht so, dass bei einem Cent mehr pro Kilogramm Zucker auf unserem Preis, wenn er direkt den Landarbeitern zugute käme, sich deren Lohn bedeuten erhöhen würde und uns täte es nicht weh. Will sagen, Mindeststandards sind bezahlbar und weltweit prüfbar. Ich hab gestern einen einfarbigen Pulli gesehen, 100 Euro! “Markenware” und größtenteils maschinengestrickt. Da wird genug Geld vom Kunden bezahlt, für eine faire Herstellung.
Ich frage mich auch, ob wir allen Völkern der Welt das moderne Wirtschaftssystem “freie Marktwirtschaft” genannt aufdrängen müssen. Es passt so nicht überall.
Den Massai in Kenia oder den Ureinwohnern im Osten Brasiliens wurde mit zwielichtigen Verträgen das Land abgenommen. Welche Antwort hat darauf die freie Marktwirtschaft?
Welche Chance haben mittellose Urvölker gegen milliardenschwere Konzerne in einer “freien Marktwirtschaft”.
Der Schweizer Rudolf H. Strahm hat vor über 20 Jahren in seinem Buch “Warum sie so arm sind” viele Thesen und Gründe anschaulich zusammengetragen, die bis heute noch nicht ausdiskutiert sind.
Die Freiheit einer Wirtschaft ist nur dann den Umständen entsprechend maximal groß, wenn ethische, soziale und gerechte Maßstäbe gelten und eingehalten werden.
Inzwischen achten ja gerade die Konzerne hier mehr auf ihren guten Ruf und das ist gut so.
Viele Grüße
Hans
HH — 27 November 2007, 00:28
Hallo HB,
hab den Artikel jetzt weitergelesen. Ich teile ebenfalls den Punkt, dass man “klinisch” analysieren muss, warum es in einigen Ländern trotz Ressourcen und Möglichkeiten seit Jahrzehnten nicht vorwärts geht und dass hier das bisherige Modell der Entwicklungshilfe nicht greift.
Der Artikel ist in jedem Fall interessant und erfordert eine weit längere Diskussion, als hier Platz ist. Ich denke jeder einzelne von uns “kleinen oder kleineren Leuten” kann nur in einem ähnlich kleinen Bereich anfangen, etwa zu einem Dorf oder zu einer überschaubaren Organisation eine Verbindung aufbauen und möglichst konkret helfen, unterstützt von Spezialisten. In vielem reicht es auch, wenn wir hier in Deutschland neue Modelle von Konsum und modernem Leben verwirklichen.
(Siehe dazu auch die ToDo-Liste Deutschland unter Selbstorganisation#ToDoListe)
Gruß Hans
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